Gumbinnens Entwicklung zur Stadt
(von Otto Gebauer - Quelle: Gumbinnen von Dr. Grenz)

Das blühende Kirchdorf Gumbinnen, neben Georgenburg das größte Dorf des Hauptamtes Insterburg, war 1709/10 durch die Pest elend heruntergekommen. Von den Gebäuden im Dorfe waren nur die Kirche mit den dazu gehörenden Wirtschaftsgebäuden, die vier Krüge, 3 Bauerngehöfte und einige Instkaten stehen geblieben. Ein Bauernhof und alle jene Gebäude, die früher von Handwerkern bewohnt waren, waren wüst und unbewohnt. Einen Bauernstand gab es in und um Gumbinnen kaum noch. Wer die Schreckenszeiten überlebt hatte, war jedenfalls völlig ruiniert. Ebenso lagen Handel und Gewerbe darnieder. Das Dorf konnte sich auch in den nachfolgenden Jahren von den Nachwirkungen der Pest nicht richtig erholen. Dazu kam, dass die Regierungsstellen wenig Lust und Interesse zeigten, hier etwas zu unternehmen.

Allerdings wurde bereits 1709 unter Friedrich I. ein Versuch zur Wiederherstellung und Neubesiedlung des Bezirks Gumbinnen gemacht. Im Jahre 1710 wurden etwa 100 Schweizer Familien angesiedelt. Auch zahlreiche Familien aus Süddeutschland kamen nach dem Gumbinner Bezirk. Aber erst im Jahre 1710 erlosch die Pest. Viele dieser Einwanderer wurden also noch von ihr erfasst und starben. Die Überlebenden hatten bei den noch gänzlich ungeordneten Verhältnissen aufs schwerste zu kämpfen. Nicht wenige verließen das noch so ungastliche Land. Dies wurde erst anders, als am 16. Februar 1711 durch den neu ernannten Präsidenten von Kamecke eine Kommission „zur Herstellung des zerfallenen und in große Unordnung geratenen Kammer- und Domänenwesens" in Preußen eingesetzt wurde. Vorsitzender dieser Kommission wurde der in Ostpreußen ansässige Graf Dohna. Die Aufgabe bestand in: „Visitation der Ämter, Hebung der wirtschaftlichen Lage der Amtsuntertanen und Reformierung des Verwaltungsapparates."

Im Oktober und November 1711 ergingen die ersten Kolonisationspatente. Als erste Maßnahme wurde eine Aufforderung an alle vor der Seuche Geflüchteten gerichtet, wieder an ihre Wohnstätten zurückzukehren. Diese Anordnungen und eingeleitete Maßnahmen brachten nicht die gewünschten Erfolge. Der Widerstand der Stände und Streitereien der Verwaltungsstellen hemmten die Aufbauarbeit.

Am 25. Februar 1713 starb Friedrich I., und Friedrich Wilhelm I. übernahm die Regierung. Er hatte in letzter Zeit bereits für seinen erkrankten Vater die Regierungsgeschäfte geführt und war daher über die Zustände in Ostpreußen gut unterrichtet. Seine ganze Tatkraft setzte der König ein, um dieses durch Notzeiten verödete Land neu aufzubauen und zu besiedeln. Es ist das Werk Friedrich Wilhelms I., aus Ostpreußen und aus unserer engeren Heimat Gumbinnen ein blühendes und ertragreiches Land gemacht zu haben. Im November 1713, wenige Monate nach seinem Regierungsantritt, besuchte er Ostpreußen und wohnte während des Aufenthalts in Insterburg im Burgschloss. Von dort aus besuchte der König den ganzen durch die Pest in Mitleidenschaft gezogenen Gumbinner Bezirk. Er traf an Ort und Stelle Anordnungen, leitete Maßnahmen ein, entschied über Neuansetzung von Siedlern und gab Richtlinien für die Förderung des Wirtschaftslebens. Auch Misserfolge konnten den König nicht von seinen Bemühungen abhalten, Ostpreußen zu helfen. Er äußerte: „Indessen gehe nit von mein Dessin ab, es komme, was wolle; es soll mir nichts abhalten als der Tott und die Pest."

Im Jahre 1721 kam der König wieder in den Bezirk Gumbinnen. Dabei überzeugte er sich von dem guten Fortschritt in der Besiedlung des flachen Landes, stellte aber zugleich fest, dass es hier noch erheblich an Leuten mangelte und dass zur Erleichterung und Belebung des Warenaustausches Märkte und somit Städte fehlten. Schon am 24. Juli 1721 richtete er an den Kommissariatspräsidenten Graf zu Waldburg-Truschseß ein Kabinettsschreiben, das grundlegend für die fernere Entwicklung des so stark von der Pest betroffenen Gumbinner Bezirks anzusehen ist.

 

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