Volksschule Moltkestraße (Hindenburgschule) - siehe auch -

Eine recht eigenartige Geschichte hatte die Gumbinner Hindenburgschule, die frühere zweite Gemeindeschule, eine Gründung des früheren selbständigen Dorfes Norutschatschen. Im Süden der Stadt Gumbinnen breitete sich dieser Ort an der Rominte aus. Nachdem er 1709 - 10, wie fast alle Orte dieser Gegend, furchtbar von der Pest heimgesucht worden war, nahm die Bevölkerungszahl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder erheblich zu und stieg bis auf etwa 800 Seelen an. Das Fehlen einer Schule machte sich bald sehr unangenehm bemerkbar. Die Norutschatscher Kinder mussten nach Preußendorf (Pruszischken), Ohldorf (Kulligkehmen) und Gumbinnen zur Schule gehen. Offenbar sind aber die Eltern der Kinder nicht immer die besten und friedfertigsten Zahler gewesen; denn wiederholt sah sich der betreffende Schulvorstand genötigt, die Norutschatscher Kinder auszuweisen.

So nahm sich denn die Regierung der Sache an und mietete, weil zum Bau eines neuen Schulhauses keine Mittel zur Verfügung standen, im Oktober des Jahres 1860 ein Schullokal im Stadtgebiet Gumbinnen. Erst nach mehrmaligem Wechsel fand seit dem 1. Oktober 1867, also sieben Jahre nach ihrer Gründung, die Norutschatscher Schule in ihrem Heimatdorf ein Unterkommen; und zwar wurde von Hausbesitzer Broszukat auf zunächst zehn Jahre ein Unterrichtsraum gemietet.

Als erster Lehrer an der Norutschatscher Schule unterrichtete Lehrer Schleiminger, der aber schon nach einjähriger Tätigkeit am 1. November 1861 nach Preußendorf versetzt wurde. Sein Nachfolger, Lehrer Warstat, lenkte über vier Jahrzehnte lang die Geschicke der ihm anvertrauten Schule und erwarb sich große Verdienste um ihre Weiterentwicklung. Gleich in den ersten Jahren seiner Amtstätigkeit erwirkte er eine Erhöhung der Klassenzahl auf drei. Zu diesem Zwecke wurde ab 1. Juli 1875 ein weiterer Raum bei Frau Plettner in Norutschatschen gemietet. Lehrer Warstat setzte sich seit 1872 tatkräftig für den Ankauf des Grund und Bodens ein, auf dem die Schule zuletzt stand. Seine Bemühungen waren von Erfolg gekrönt, und ein neues zweiklassiges Schulgebäude mit zwei Lehrerwohnungen konnte am 16. Oktober des Jahres 1877 eingeweiht werden. Durch den im Jahre 1889 erfolgten Anbau zweier neuer Klassen und zweier Lehrerzimmer an das Schulgebäude war das Raumbedürfnis für einige Jahre befriedigt. Mit der stetig steigenden Einwohnerzahl des aufblühenden Dorfes Norutschatschen nahm auch die Zahl der Schulkinder zu. Nach 1891 musste die Zahl der Lehrkräfte und die der Klassenräume sogar auf sechs erhöht werden. Am 10. September 1897 sind die 5. und 6. Lehrerstelle zum 01.10.1897 in der L.-Z. ausgeschrieben, dotiert mit 975 Mark Grundgehalt, 120 Mark Alterszulagen, freier Wohnung und Feuerung. Die Bewerbung war an die Regierung zu Gumbinnen zu richten.

Nach einem Besuch von zwei Vertretern der Regierung in der Norutschatscher Schule im Jahre 1899 verlieh der Staat dem Lehrer Warstat als Anerkennung für seine Leistungen die Amtsbezeichnung Hauptlehrer. Mit sicherer Hand hatte er vierzigeinhalb Jahre die Schule geleitet. Aber auch unter seinem Nachfolger, dem Hauptlehrer und späteren Rektor Zipplies, machte die Entwicklung gute Fortschritte.

Bei der bis über 500 steigenden Schülerzahl verschlechterten sich die Raumverhältnisse immer mehr. Um diesen Übelstand zu beheben, wurde ab 1. Oktober 1910 das nördlich der Schillerstraße, an der Ostseite der Baptistenkapelle, von einem Privatmann errichtete neue Gebäude mit vier Klassen angemietet. Die Räume im Broszukatschen Hause konnten dafür aufgegeben werden. Von einschneidender Bedeutung für die Weiterentwicklung dieser Schule war die Eingemeindung des Dorfes Norutschatschen in die Stadtgemeinde Gumbinnen am 1. April 1918. Nunmehr erhielt die bisherige Gumbinner Volksschule die Bezeichnung Erste Gemeindeschule, während die Norutschatscher Schule Zweite Gemeindeschule benannt wurde.

Aus mancherlei Gründen, nicht zuletzt durch den Fortfall der Vorschulen bei den hiesigen höheren Lehranstalten nach 1920, wurden die unteren Klassen, auch der Zweiten Gemeindeschule, stärker besucht. Als dann im nächsten Jahre im Städtischen Schulgebäude am Damm, die bisherige Vorschule der Cecilienschule, einige Klassenzimmer freimachte, wurde die Zweite Gemeindeschule zu einer zwölfklassigen, sechsstufigen Schule erweitert und drei Klassen in die Schule am Damm gelegt. Daraus ergab sich dann der Missstand, dass eine Schule in drei Gebäuden unterrichten musste, die zum Teil fast 1,5 Kilometer voneinander entfernt lagen. Von zwölf Klassen befanden sich fünf in dem Hauptschulgebäude, Schulstraße 22, vier in der Miet¬schule, Schillerstraße 17, und drei in dem Städtischen Schulgebäude, Kirchenplatz 1. Durch weitere Zugänge vermehrte sich die Zahl der Klassen bis 1931 auf neunzehn.

Nachdem das Lyzeum Ostern 1931 sein neues Heim bezogen hatte, ließ sich die Zweite Gemeindeschule in der ehemaligen Cecilienschule in der Kirchenstraße nieder, behielt aber sechs Klassen in der Dammschule bei. Von nun an, entsprechend ihrem Wirkungsbereich „Altstädtische Schule" genannt, erhielt die Schule zwei Jahre später die Bezeichnung „Hindenburgschule". — Rektor Mickschas folgte im Juli 1933 dem später nach Angerburg versetzten Rektor Randzio im Amte nach. — Weit über 800 Kinder waren ihm und den übrigen neunzehn Lehrkräften in acht Jahrgängen und zwanzig Klassen anvertraut.

Am 1. Juni 1939 übernahm Konrektor Otto Pietsch als Rektor die Leitung der Hindenburgschule, die am 6. Januar 1940 das neue Schulgebäude an der Moltkestraße beziehen konnte. Es war ein Prachtbau mit vierundzwanzig lichtdurchfluteten Klassenräumen und einer Turnhalle. An dem Bau der Schule waren Städtischer Baurat Zeibig, Architekt Schmidt, Oberregierungs- und Baurat Groepler und Regierungsbaurat Henry maßgeblich beteiligt. Die Baukosten betrugen 820.000,— Mark. Doch schon im Frühjahr 1941 musste die Schule geräumt werden und diente bis zur Räumung als Lazarett.

 


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