Branden (Ißdaggen/Ischdaggen - bis 1938)
Quelle: Boetticher, Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Königsberg 1895

Königl. Bauerndorf, 10 km östl. von Gumbinnen. Ißdaggen kommt voraussichtlich von ißdegge = ausbrennen her. Die ersten Ansiedler haben den hier stehenden Wald ausgebrannt. Der Name ist in Litauen häufig.

Die erste ev. Pfarrkirche wurde 1633 von Insterburg aus erbaut. Die Kirche soll früher weiter nördlich und dem Dorfe näher gestanden haben. George Beyer war der erste Pfarrer hier; Ißdaggen gehörte damals zu Nemmersdorf, von dem es 1647 losgetrennt wurde.

Die jetzige Kirche ist 1737 erbaut; Patron ist der König. Sie ist 34,5 , lang, 15,2 m breit und hat einen halbkreisförmigen Chor. Im Norden ist die Sakristei halbkreisförmig angebaut, neben welcher eine Vorhalle sich befindet. Die Westwand, worin ein vermauerter Eingang, ist stärker als die übrigen Wände.

Einen Turm besitzt die Kirche nicht. Die Fundamente aus Feldsteinen, das aufgehende Mauerwerk aus geputzten Ziegeln. Rundbogenfenster.

Das Innere zeigt eine flache Holzdecke.

Altar mit Kanzel vereint. Zwischen zwei korinthischen Säulen und zwei Pilastern, vor und neben denen vier bärtige Gestalten (Moses und Aron?) stehen, erhebt sich die Kanzel mit gewundenen, korinthischen Säulchen an den Ecken, die plastischen Gestalten des Erlösers, Johannes und Lukas in den drei Feldern. Im zweiten Geschoß dieselbe Architektur. Schalldeckel mit Putten; in der Mitte ein Wappen mit drei Eicheln, ein springender Hund oder Hirsch auf dem Helm. Seine Krönung bildet der Erlöser. Dahinter ein Aufbau: Gott Vater mit der Weltkugel, links und rechts zwei Gestalten mit Gesetzestafeln (der rechts Markus?). In der Mitte durchbrochen; davor das Lamm mit dem Kreuze.

Kanzeltreppe mit vier Apostelgestalten. Thür dazu mit gewundenen, korinthischen Säulen, ornamentiertem Fries. Krönung: in der Mitte ein Engel mit Fisch (Tobias?); links weibliche Gestalt mit Säule; rechts weibliche Gestalt, alles Holzschnitzerei. – Der Altar hat reiche Ornamentik; Ende der Barockzeit. – Altarschranke von 1802.

Zwei Altarleuchter, 58 cm hoch, beide mit der Inschrift: Gott zu Ehren und der Ischdaggischen Kirche zur Zierde geschenket. Christian Arnolt 1682. Mit dem Labrarum darunter.

Zinnerne Weinkanne: Heinrich Christian Schulemann. Anna Maria Frankin 1744.

An der Orgel befindet sich eine Bretterbekleidung mit der Inschrift: Herr Christoph Berent; Kurflt. Land-Kommissarius haben Gott zu Ehren Anno …. Ob diese Inschrift zu der (von Papendik 1833 gebauten) Orgel gehört, ist fraglich.

Ein Beichtstuhl mit gewundenen, korinthischen Säulen. Auf der Vorderseite der Brüstung ein sitzender König. An der Rückwand Christus mit dem bußfertigen Zöllner. Auf den vier Ecken die Apostel Lukas und Markus nebst der Charitas und einer weiblichen Gestalt ohne Er-kennungszeichen geschnitzt.

Eine Kreuzigungsgruppe von Holz in halber Lebensgröße, vergoldet, findet sich in einen Halbkreisbogen eingelassen in der Mitte der S. Seite; XVII. bis XVIII. Jh. Grabstein vor dem Altare:
"Alhir liegt begraben – Herr Jakob Perkuhn – nebens seiner ehelichen Hausfrauwen Anna Hanin – vor sich undt seine Erben legen lassen anno 1673. Perkuhn war Pfarrer in Ißdaggen 1662 – 1709."

 
Die aktuelle Situation
 
Die heutige Siedlung Branden (Ischdaggen), heutiger Name Lermontowo, liegt an der Straße Insterburg (Tschernjachowsk) - Gumbinnen (Gusev). Die Kirche steht abseits der Straße und etwas außerhalb der Siedlung. Nach dem Kriege war sie unversehrt. Bevor man sie nutzte, wurde sie durch die zugezogene Bevölkerung beschädigt. Auch Wind und Wetter setzten ihr zu. 

1992: Ein Teil der Kirche wird als Lagerhalle genutzt. Der andere Teil dient möglicherweise einem Asphaltwerk, das zur Zeit allerdings nicht in Betrieb ist, als Produktionshalle. Hierfür spricht ein großer Anbau aus Blech im Süden. Die Fenster im Norden und Osten sind völlig zugemauert, die im Süden teilweise. Das Dach über dem Kirchenschiff ist mit Asbestzementplatten gedeckt; über dem Chor im Osten existiert noch das Ziegeldach. Die Sakristei ist zerstört, der Eingang zugebaut. Die Vorhalle ist erhalten, aber der Eingang wurde rechteckig gemacht. Der Friedhof ist teilweise erhalten.

1996: Die Kirche wird nicht mehr genutzt.
(Quelle für aktuellen Text und 2 Fotos: Vergessene Kultur - Kirchen in Nord-Ostpreußen - von Anatolij Bachtin Königsberg - Husum Verlag 1998)

 

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 Bild 1 + 2:  Brandener Kirche - Bild 3: Altar und Kanzel- Bild 4: Pfarrhaus - Bild 5 + 6:  Ehrenmal -  Bild 7: Zustand der Kirche 1990 - Bild 8: Zustand der Kirche 1992