Zur Geschichte des Ortes schreibt Frau Erika Feller mit Datum vom 15.5.1971:

„Nemmersdorf war das größte Kirchdorf des Kreises Gumbinnen und wurde im 13. Jhdt. zum ersten Mal erwähnt. In einer alten Urkunde dieser Zeit stand, „daß der Wildnisbereiter Friedrich Erdmann Nemmersdorf zu Lehn erhielt. Er war gehalten, seinen Zins dem Amt Dingelau zu entrichten und sein Bier von der Ordensbrauerei Georgenburg zu beziehen". Die Gründung der evangelischen Pfarrkirche wurde auf Anweisung von Herzog Albrecht, verstorben im Jahre 1569, vorgenommen. Im Jahre 1767 kam es zur Erneuerung der Kirche. Den Altar schreibt man der Werkstatt Isaac Rigas zu. Die Kirche hat beide Weltkriege überstanden; das ist vielleicht einer Inschrift am Hauptportal zu verdanken. Dort stand in russischer Sprache: ,Dieses Heiligtum darf nicht zerstört werden'. Herr Pfarrer Henkis hatte diese Inschrift zum Schutze gegen das Wetter unter Glas setzen lassen. —

In Kirchenrechnungen des Jahres 1625/26 fand man Notizen vom Bestehen einer Schule in Nemmersdorf. Später im Jahre 1737 werden die Schulen Schublau (Szublauken), Angerhöh (Szuskehmen), Kleinpreußenbruch (Klein-Pruschillen) und Langenweiler (Kollatischken) genannt. Die Schule in Nemmersdorf hatte 3 Klassen. Sie war im Ersten Weltkrieg abgebrannt. Beim ersten Überfall der Russen waren 3 betrunkene Kosaken von der zurückgebliebenen Bevölkerung in den Schulkeller eingesperrt worden; nachrückende Russen haben jedoch die Kosaken befreit, die Schule in Brand gesteckt und einige Männer des Dorfes als Gefangene mitgenommen. —
 
Landwirtschaft: Zur gleichen Zeit, als im Jahre 1786 Herr Käswurm das Rittergut Puspern kaufte, erwarb ein Freiherr von Lyncker das Rittergut Nemmersdorf. Am 3. Juli 1818, als Gumbinnen eine Kreisverwaltung erhielt, wurde der Sohn und Besitzer des Rittergutes Nemmersdorf der erste Landrat dieses Kreises. Im Jahre 1840 trat er dieses Amt an Herrn Burchard aus Schöppenfelde (Krauleidszen) ab. Die Familien Burchard (Kieselkehmen, Krauleidszen und Austinehlen) besaßen wohl in jener Zeit die größten landwirtschaftlichen Betriebe des Kreises. Ein Freiherr von Lyncker heiratete eine geborene Burchard und bekam als Heiratsgut das Vorwerk Moskau (später Vorwerk von Eszerischken) und den Weißen Krug mit. Er muß ein tüchtiger Landwirt gewesen sein. Auf Moskau, das auf der anderen Seite der Angerapp lag, hatte er eine Schäferei eingerichtet. Vor der Schur trieb man die Schafe zum Waschen in die Angerapp. Auch war ein Südhang zur Angerapp als Obstplantage angelegt worden. Ein Verwandter der Familie soll in Amerika als Botanikprofessor gelehrt haben; so waren auch im Park verschiedene seltene Bäume zu finden. Es gab dort zu unserer Zeit noch 2 Hickorynußbäume, mehrere Walnußbäume, eine besonders hohe Edeltanne, die die meisten Parkbäume überragte und noch verschiedene Pflanzen, die man im Osten sehr selten antraf. Die Edeltanne und ein Teil der Nußbäume hatten leider den strengen Frostwinter 1928/29 nicht überstanden. Der letzte Freiherr von Lyncker ist recht früh verstorben und sein Sohn beim Baden in der Angerapp ertrunken. Der landwirtschaftliche Betrieb ist dann bald verkauft worden. Der Vater der Verfasserin dieses Berichts war bis zur Flucht der letzte Besitzer dieses Betriebes, den er als 3. Landwirt nach der Familie Freiherr von Lyncker erworben hatte. —
 
Das Vereinsleben war in Nemmersdorf recht rege, und die lange Winterzeit hat man sich oft durch Feste verkürzt. Vor allen Dingen zeigte sich der Vaterländische Frauen-Verein vom Deutschen Roten Kreuz unter Leitung von Frau Landesrat Burchard - Austinehlen als sehr rührig. So gab es im Sommer und im Winter je ein Wohltätigkeitsfest. Von den Einnahmen auf diesem Fest wurde eine Gemeindeschwesternstation bezahlt. Schließlich mußten in diesem Zusammenhang Pferd und Wagen gehalten werden, damit die Gemeindeschwester auch die entferntesten Orte erreichen konnte. Frau Landesrat Burchard amtierte auch als Vorsitzende des landwirtschaftlichen Hausfrauenvereins, der in Gumbinnen eine Verkaufsstelle eingerichtet hatte. Dorthin konnten alle Landwirtsfrauen ihre Erzeugnisse aus dem Garten, Geflügel usw. zum Verkauf hinbringen. —
 
Sonst gab es am Ort noch die Feuerwehr, die unter der Leitung von Dr. med. Faßhauer besonders tatkräftig wirkte. Neben anderen berufsinteressierten Vereinen bestand ein sehr reger Sportverein. Neben Fußball und Leichtathletik wurde vor allen Dingen Faustball gespielt. Im Winter kam die weibliche Jugend in der Schule zu Näh- und Handarbeiten zusammen, die mit einer Ausstellung jeweils ihren Abschluß fanden." —


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