Kammer, Gustav Richard Eduard, geb. 02.04.1839 in Gumbinnen, gest. 21.12.1910 in Berlin-Wilmersdorf, studierte klassische Philologie, lehrte seit 1863 am Kö­nigsberger Friedrichs-Kollegium, wurde 1880 Direktor des Gymnasiums in Lyck, 1891 Provinzialschulrat in Schleswig, 1897 in gleicher Stellung in Breslau und 1900 als Oberregierungsrat und Direktor des Königlichen Provinzialschulkollegiums in Königsberg. Seine wissenschaftlichen Arbeiten bewegten sich meist auf dem Gebiet der Homerkritik, war befreundet mit Fritz von Fahrenheid in Beynuhnen.


Kapeller, Johann, geboren 1720 in Salzburg, gest. 09.03.1793 in Gumbinnen, kam 12-jährig mit den Salzburgern nach Preußen, war zunächst Kuhhirt, lernte dann bei einem Salzburger in Gumbinnen die Strumpfwirkerei, konnte bereits als Lehrling ein eigenes Haus erwerben, wurde 1744 Bürger und Meister. Er gewann das Vertrauen Friedrich von Domhardts, der ihm während der russischen Besetzung Ostpreußens im Siebenjährigen Kriege einen Transport von 100.000 Talern zur preußischen Armee anvertraute, den Kapeller unter erheblicher Gefahr durchführte. Friedrich der Große unterstützte K. mit Vorschüssen zur Anlegung einer Strumpffabrik und schickte ihn zur Besichtigung derartiger Anlagen nach Berlin, wo er eine Audienz beim König hatte. E. Joachim bezweifelt diese Angaben — jedoch zu Unrecht; denn die Nichterwähnung der Vorgänge in den Akten ist leicht erklärlich.


Karschuck, Emil, Wagenbaumeister, Stadtverordneter, Präsident der Handwerks­kammer, Direktor der Gewerbeförderungsanstalt für Ostpreußen in Gumbinnen. Gestorben am 19.09.1921 in Gumbinnen (vgl. den Abschnitt über das Handwerk!).


Kersten, Georg, geb. 31.10.1857 in Laugallen, Kr. Insterburg, gest. 26.05.1910 in Thorn, besuchte das Gymnasium in Gumbinnen, nach Jurastudium seit 1881 als Referendar bei der Regierung in Gumbinnen, verwaltete 1888 kommissarisch das Landratsamt in Lötzen und ging dann nach Marienwerder, gehörte dort dem westpr. Provinziallandtag an, wurde Landrat des Kreises Schlochau. Wurde später Erster Bürgermeister von Thorn, wo er die Entwicklung der Stadt vorantrieb und Großes leistete. Er starb, erst 53-jährig, in voller Tätigkeit.


Keuchel, Gotthard, Oberregierungs- und Schulrat an der Regierung Gumbinnen. Selbst begeisterter Turner, war er Förderer des Turnens und Sports an den Schulen und den Vereinen Ostpreußens. Verfasser mehrerer Lehrbücher für Schulen, gest. 03.04.1949 in Lunden.


Klatt, Konrad, Superintendent an der Altstädtischen Lutherischen Kirche in Gumbinnen, geb. 18.10.1883, gest. 07.01.1964 in Koblenz, kam 1925 nach Gumbin­nen. Seinen Kirchenkreis verwaltete er mit Umsicht und Pflichttreue. Durch seine mit Liebe geschriebenen Rundbriefe stand er auch nach der Vertreibung mit seinen Ge­meindegliedern in enger Verbindung.


Krakow, Fritz, geb. 29.05. 888 in Berlin, gest. 08.04.1965 in Heidelberg, kam 1920 als Musiklehrer an die Gumbinner Friedrichsschule. Hier entfaltete er 15 Jahre hindurch sowohl in der Schule wie im öffentlichen Leben eine überaus fruchtbare Tätigkeit. Er leitete die Liedertafel, die Singakademie, den von ihm begründeten Madrigalchor, später u. a. auch den Königsberger Lehrergesangverein. In Gumbin­nen verging kaum ein Jahr, in dem er nicht mit Schulchor und -Orchester oder mit den genannten Vereinigungen ein Werk der großen Meister zu Gehör brachte. So wechselten Beethoven-, Bach-, Schubert-, C.-M.-v.-Weber-, Mendelssohn-Bartholdy-Konzerte u.a., so z. B. bei der Salzburgerfeier 1932, der Lutherfeier 1933. Schüler­chor und Schülerorchester traten auch in Königsberg auf, waren ferner im Deutsch­landsender zu hören. Den Höhepunkt bildete 1929 die Aufführung der Matthäus­passion von J. S. Bach mit etwa 350 Mitwirkenden anlässlich der Einweihung der auf seine Initiative geschaffenen Orgel in der Aula der Friedrichsschule. 1935 wurde er nach Lötzen versetzt. Durch die Vertreibung kam er nach Westdeutschland.


Krüger, Heinrich, geb. 21.07.1863 in Gumbinnen, gest. 02.07.1901 in Rossitten (Kur. Nehrung). Sein Vater Theodor K. war Präzentor in Gumbinnen, seit 1868 Prediger und Lehrer an der Blindenanstalt in Königsberg. Heinrich besuchte die Königsberger Kunstakademie als Schüler von Trossin; entscheidend beeinflusst wurde er durch C. Steffeck, der ihn auf sein eigentliches Gebiet der Tiermalerei lenkte. Er malte für den Landwirtschaftl. Zentralverein für Litauen und Masuren die Sieger im Fanfaro-Rennen in Insterburg; diese Gemälde fielen den Züchtern als Ehrenpreis zu. Auch malte er andere berühmte Pferde ostpreußischer Zucht, so für das Gestüt Gudwallen. Um 1890 wurde bei einem Ausflug nach der Kurischen Nehrung seine Be­geisterung für diese geweckt, die bis zu seinem Lebensende anhielt. Hoffnungslos er­krankt, ließ er sich nach Rossitten bringen, wo er starb und die letzte Ruhe fand.


Kuntze, August Bernhard, geb. 1814 in Eichwerder bei Wrietzen/Oder, gest. 06.09.1899 in Heinrichsdorf, Kr. Gumbinnen, war Schüler der von Albrecht Thaer begründeten landwirtschaftlichen Akademie zu Möglin. Ende der 40-Jahre kaufte er das Rittergut Heinrichsdorf, Kr. Gumbinnen und war 1855—1866 General­sekretär des Landwirtschaftlichen Centralvereins für Litauen und Masuren und Herausgeber der Vereinszeitung „Georgine". 1866 wurde er zum Landschaftsrat im Bezirk Litauen gewählt. In seinen Mußestunden betrieb er geschichtliche Studien, sammelte eine bedeutende Bibliothek und wurde einer der besten Kenner der alt­preußischen Familiengeschichte. Ein rühmliches Denkmal seines Fleißes sind die Per­sonalregister zu den altpreußischen Zeitschriften (Preuß. Archiv, Preuß. Prov.-Blätter und Altpreußische Monatsschrift bis 1887). 1885 verkaufte er Heinrichsdorf und zog nach Berlin, musste jedoch nach einigen Jahren das Gut wieder übernehmen.