Die Einwanderung der Pfälzer
 
Die Pfalz ist ein von der Natur reich gesegnetes Land. Der Friede des Landes wurde aber oft von Kriegsvölkern gestört und der Wohlstand des Landes auf Jahrhunderte hinaus vernichtet. So verwüsteten die Franzosen die Pfalz in dem Kriege 1673—1679, ferner in dem Kriege von 1688—1697, wobei viele Städte, das Heidelberger Schloss und Hunderte von Dörfern dem Erdboden gleichgemacht wurden. Die Pfälzer wandten sich in ihrer Not an den Großen Kurfürsten, später an dessen Sohn mit der Bitte um Hilfe. Durch ein Edikt vom 25. Mai 1689 wurde ihnen bei einer Einwanderung nach Preußen eine Reihe von Rechten und Vorteilen gewährt.

1698 kamen die ersten Pfälzer nach Preußen, 1699 ein weiterer Zug, von denen auch einige nach Ostpreußen weitergeleitet wurden. Diese Zugewanderten waren zum Teil sogenannte Jungpfälzer. So nannte man die Familien, die erst seit etwa 100 Jahren in der Pfalz ansässig waren. Ihre Vorfahren waren aus dem Süden der Niederlande um 1562 ihres Glaubens wegen nach der Pfalz geflüchtet, Reformierte zu Reformierten. Da diese Vorfahren zum großen Teil aus Wallonien stammten, wurden sie auch oft als Wallonen bezeichnet. Die Akte der Gumbinner Kriegs- und Domänenkammer bezeichnete sie als „Wallons". Freilich war 1690 auch eine direkte wallonische Einwanderung nach Ostpreußen erfolgt.

Im Jahre 1720 kamen 101 Familien nach Ostpreußen und erhielten ihren Wohnsitz im Kreise Gumbinnen zugewiesen, darunter die Familien:

Albrecht, Best, Dietrich, Eigenbrod, Gaukel, Grau, Haase, Hahn, Helpenstelle, Knappel, Krumm, Lemke, Neumüller, Post, Schlicker, Söhring, Strempel, Weber, Wegner.
 
Am 3. Juli 1732 richteten die Pfälzer ein Gesuch an die Kriegs- und Domänenkammer und baten um Befreiung von körperlichen Dienstleistungen. Ihr Gesuch wurde genehmigt.
 
Unter den Unterzeichnern des Gesuchs finden wir die Namen:
 
Obermüller, Leidnig, Dim, Seemann, Toltz, Weber, Bender, Mitternacht, Rentel, Hoff, Gelmann, Happel, Scheffer, Hofmann, Worm, Friedel, Ubach, Wobibi, Brombach, Bahr, Grau, Ostmann, Schallerey, Krumm, Schütz, Solter, Schupp, Eigener, Beyer, Eichelberger, Ziegler, Seebel, Wieber Schultz, Brenneisen, Bauer, Strasser, Schwing, Gütting, Kobel, Wiese, Betz, Waiberr, Albrecht, Knipfel, Schefler, Thiee, Luckenbach, Hesse, Henschel, Grübner, Kutelius, Betz, Kuch, Krobel, Haaß, Strümfel, Lich, Hornung, Krumb, Wiesemann, Schnieder, Baum, Krib, Aumüller, Limber, Ludwich, Schackel, Hillenbach, Franz, Beyer, Nohl, Groß, Warkau, Naß, Need, Kretzer.
 
Im selben Jahr kam über die Pfälzer Kolonien in den Ämtern Amtshagen, Erlengrund, Mattischkehmen, Roßlinde und Zweilinden ein großes Viehsterben. Manche Wirte behielten auf ihrem Hofe nicht ein Stück Vieh. Sie wandten sich an den König mit der Bitte um Hilfe, die ihnen auch gewährt wurde.
 
Es waren dieses die Bauern:

Heisch, Grühn, Bernhardt, Hehmisch, Grossmann, Weber, Hellenbach, Fischöder, Becker, Grau, Pusch, Gromm, Kleinschmidt, Preißning, Beyer, Rock, Seybell, Stroßer, Solter, Riemer, Euchinger, Schupp, Erdtmann, Flick, Rau, Markolbus, Betz, Haumüller, Heldt, Riehl, Meitsch, Hoffmann, Zieger, Dretzbacher, Rick, Bert, Anckell, Post, Granitz, Szabän, Eugenbrodt, Schlicker, Stempfel, Kaukel, Sternberg, Obermüller, Heins, Krieg, Groß, Nuß, Moser, Kümmel.
 
Mit der Zeit verwischten sich die Grenzen zwischen den einzelnen Kolonien der Einwanderer. Bei den Eingaben finden wir vielfach die gleichen Namen. Eine sichere Bestimmung, welcher Landsmannschaft die einzelnen Kolonisten angehörten, wurde auch dadurch erschwert, dass die Nassauer und Pfälzer mit den Schweizern in Kolonien zusammenwohnten. Sie galten dann vielfach als Schweizer und kamen in den Genuss der Privilegien, die die Schweizer hatten.
 
Die Tradition der Pfälzer lebte bis in die heutige Zeit fort und kam 1937 bei der Umbenennung der Ortsnamen wieder zur Geltung. So wurde Drutischken in Pfälzerort, Budszedszen in Pfälzerwalde umbenannt.

von Otto Gebauer (Quelle: Gumbinnen Dr. Grenz)


 


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