Die Ansiedlung der Salzburger


Die Einwanderung der Salzburger gehört zu den wichtigsten Geschichtskapiteln des Kreises Gumbinnen. Es gibt kaum ein weiteres Ereignis, das in so umfangreichem Schrifttum seinen Niederschlag gefunden hat, wie gerade dieses.

Otto Gebauer, der Verfasser des im Jahre 1958 erschienenen Gumbinner Heimatbuches, widmete den Vorgängen der Ansiedlung im Regierungsbezirk Gumbinnen und der Geschichte der Vertreibung der Salzburger überhaupt einen umfangreichen Bericht. Wir wollen dies an dieser Stelle nicht alles wiederholen, sondern uns im wesentlichen auf das be­schränken, was unser Kreisgebiet anbetrifft.

Nach der historischen Fixierung des Ereignisses bei M. Beheim-Schwarzbach (1879) bildet die Ansiedlung der Salzburger in Preußen von 1732—1736 die zweite Haupt­periode größerer Kolonisation unter Friedrich Wilhelm I. Vorangegangen war die erste Hauptperiode von 1721—1725 mit der Ansiedlung von Schweizern, Nassauern und Pfälzern. Ziel Friedrich Wilhelms I. war es dabei, den ihres Glaubens wegen vertriebenen Salzburgern eine neue Heimat zu geben und gleichzeitig das durch die Pest von 1708—1710 entvölkerte Preußisch-Litauen, das ist das Gebiet um Gumbinnen, mit Untertanen und Einwohnern wieder zu besetzen. So lief die Ansiedlung der evan­gelischen Salzburger bei den Zeitgenossen unter der Bezeichnung Repeuplisierung oder Retablissement.

Bevor wir die Vorgänge im Kreisgebiet näher erläutern, seien kurz die Ereig­nisse geschildert, die zur Emigration aus Salzburg führten.

In das katholische Erzbistum und geistliche Fürstentum Salzburg im österreichi­schen war die evangelische Lehre schon im Jahre 1520 eingedrungen. Luthers Lehre hatte großen Widerhall gefunden. Der größte Teil der Bewohner wurde evangelisch. Die katholische Obrigkeit des Landes kam dadurch in nicht geringe Bedrängnis. Trotz des Verbotes protestantischen Schrifttums und obwohl weder protestantische Geistliche sich niederlassen, noch evangelische Kirchen eingerichtet werden durften, gelang es nicht, die Ausbreitung des Luthertums zu verhindern. Seine Anhänger trafen sich heimlich und wurden in Luthers Lehre aus Büchern unterwiesen, die unter Gefahren aus Augsburg und Nürnberg ins Land gebracht worden waren. Zum Teil traf man sich in den Wäldern an einsamen Örtlichkeiten, wo die Bücher vergraben oder verborgen waren. Ausgestellte Wachposten sicherten vor etwaigen Über­raschungen; denn ständig stellten katholische Spione den evangelischen Geheimbündlern nach.

Im Jahre 1685 geschah die erste größere Ausweisung von etwa 1000 Men­schen aus dem Defreggental, mit der die katholische Kirche der Ausbreitung des Luthertums Einhalt gebieten wollte. Doch das Gegenteil geschah. Unter der Regie­rung des im Jahre 1722 zum Erzbischof ernannten Leopold Anton Freiherr von Firmian spitzten sich die Gegensätze zwischen Protestanten und Katholiken außer­ordentlich zu; denn Firmian beabsichtigte, das Land vom Ketzertum zu befreien. Jesuiten, die zur Durchführung von Religionsverhören in das Salzburger Land ge­schickt wurden, konnten nur feststellen, dass das Luthertum verschiedentlich schon über Generationen in den Familien Fuß gefasst hatte, und dass beträchtliche Teile der salzburgischen Bevölkerung nicht mehr zum katholischen Glauben standen. Die fortgesetzte Bespitzelung und Überwachung, auch Beschlagnahme von evangelischen Predigtbüchern, führte nun zu einem entschlossenen Widerstande der Evangelischen, der im Juni 1731 mit einer Beschwerdeschrift von 19.000 evangelischen Glaubensgenos­sen an den deutschen Reichstag nach Regensburg einen Höhepunkt fand. Die Salz­burger forderten die Durchsetzung freier Religionsausübung in Anlehnung an den Westfälischen Frieden von 1648. Sie hatten damit vorübergehend Erfolg.

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